„Humor ist realer Optimismus“ (Peter Hille)
Jochen Malmsheimer erhielt den „Nieheimer Schuhu. Peter Hille-Literaturpreis“ auf dem Kulturgut Holzhausen
Am Samstag, dem 12. September 2026, kam es auf dem Kulturgut Holzhausen zu einem besonderen Showdown der westfälischen Kabarettszene: Zum siebten Mal wurde der „Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis“ verliehen, diesmal an den aus Bochum stammenden bundesweit bekannten Kabarettisten Jochen Malmsheimer, der seit 30 Jahren mit zahlreichen Soloprogrammen auf deutschen Bühnen, aber auch in Funk und Fernsehen zu Gast ist. Das hat ihm schon viele Preise eingebracht, und zu diesen gesellte sich nun der „Nieheimer Schuhu“.
Im voll besetzten Schafstall des Kulturgutes begrüßte Dr. Michael Kienecker, der Vorsitzende der Peter-Hille-Gesellschaft, das Publikum und stellte den Preisträger in einem kurzen „Steckbrief“ vor. Natürlich gehört zu einer Preisverleihung eine den Preisträger würdigende Ehrenrede, und diese hatte Fritz Eckenga, ebenso bundesweit bekannt wie der Preisträger, übernommen. Er hielt für seinen „Ruhrgebiets-Bruder“ im kabarettistischen Geiste eine beeindruckende, ebenso amüsante wie sensible Laudatio, die vom Publikum mit starkem Applaus bedacht wurde.
Vor den Preis haben die Götter den Schweiß gesetzt, und darum enterte dann Jochen Malmsheimer die Bühne, den – schon auf den ersten Blick – eine imposante Barttracht mit Peter Hille verbindet und der bei seinem Spaziergang durch Nieheim sofort innige Freundschaft mit dem Sackmuseum geschlossen hat, wie er erzählt. Und dann legte er richtig los, dieser Urtyp eines Holzfällers, der auch gleich seine besondere Leidenschaft für Holz und PS-starke Sägen bekennt, von denen er etliche besitzt! Mit vitalen Temperamentsausbrüchen zieht dieser Wortakrobat das Publikum schon mit den ersten Sätzen in seine kaskadenartig anschwellenden „Sprachgewitter“, gießt ein Füllhorn von gekonnt gesetzten Pointen über das Publikum, das seine Lachmuskeln sofort hörbar in Bewegung setzt. Kurzum: Das ist literarisches Kabarett, das mit Wörtern, Sätzen und Stimme jongliert, selbst lange Satzungetüme stilsicher zu Ende bringt und dabei verblüffende und ganz frische Blicke auf das Leben wirft: Wie Peter Hille, der Namensgeber des Preises, der in unzähligen Aphorismen Menschliches und Allzumenschliches auf den satirischen Punkt brachte, ist auch Malmsheimers Kabarett sprachmächtig, gebildet, ironisch hintergründig und von einem intelligenten Humor, wie man ihn nur selten findet. Verbunden mit Peter Hille in dieser humoristischen Grundhaltung ist – so das Urteil der Jury – Jochen Malmsheimer der würdige, siebte Preisträger des „Nieheimer Schuhu“ und reiht sich ein in die Liste von Namen, auf der das Who is Who des literarischen Kabaretts nicht nur Westfalens, sondern Deutschlands versammelt ist: Erwin Grosche, Fritz Eckenga, Wiglaf Droste, Hans Zippert, Bernd Gieseking und Sarah Hakenberg!
Nach seinem fulminanten Auftritt, der vom Publikum mit langem und lautem Applaus begeistert gefeiert wurde, erhielt der Preisträger den Nieheimer Schuhu, eine aus Bronze gegossene eulenartige Skulptur, gesponsert von der Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter, sowie den Scheck über die Preissumme von 5.000 € aus den Händen der Sponsoren, Bürgermeister Johannes Schlütz für die Stadt Nieheim und Johann von der Borch für die Bürgerstiftung Nieheim. Und der Abschluss konnte nicht passender sein: Der bekennende Holz- und Sägenfan Malmsheimer trug sich zu guter Letzt in das Hölzerne Buch der Stadt Nieheim ein!
Der kurze Steckbrief
Jochen Malmsheimer wurde 1961 in Essen geboren, wuchs aber in Bochum auf. Er studierte einige Semester Germanistik und Geschichte an der Ruhr-Universität in Bochum, ging nach einer Buchhändlerlehre aber schon als Zwanzigjähriger auf die Bühne: Zunächst als Sänger der Bluesband Vatermörder, die dem großen Vorbild der Blues Brothers nacheiferte. Bekannt wurde er dann – zusammen mit Frank Goosen – als das Kabarett-Duo Tresenlesen, das von 1992 bis 2000 als Ruhrgebiets-Kabarett sehr erfolgreich war. Fernsehauftritte in der ZDF-Kabarettsendung Neues aus der Anstalt und Lese-Auftritte mit Jürgen von der Lippe sorgten für erhebliche Medienreichweite.
Seit 2000 tritt Malmsheimer überwiegend als Solokünstler auf. In seinen bisher 9 Bühnenprogrammen widmet er sich so ziemlich allem, was den Zeitgeist bewegt: Mit verblüffenden Wortspielen und kraftvoll inszenierten Temperaments-ausbrüchen reißt er das Publikum in den Strudel seiner Pointen. So entstand eine ganz eigene, charakteristische Kunstform, die als episches Kabarett bezeichnet wird.
Jochen Malmsheimer hat Bücher und Hörbücher publiziert und zahlreiche Preise gewonnen: Bereits 1997 den Prix Pantheon und 1998 den Salzburger Stier, 2009 folgten der Deutsche Kleinkunstpreis und der Deutsche Kabarettpreis, danach der Bayerische Kabarettpreis (2012), der Schweizer Kabarett-Preis-Cornichon (2015) und schließlich nochmals der Deutsche Kabarettpreis (2018).
So lautet der Urteilsspruch der Jury
Jochen Malmsheimer ist ein „Wortakrobat“, dessen geradezu überbordende Formulierungslust und Assoziationskraft zu vitalen Temperamentsausbrüchen in atemberaubendem Sprechtempo führen – eine Kunstform, die zu Recht als „episches Kabarett“ bezeichnet wird.
Doch es ist nicht nur der von Hille für das Kabarett geforderte „Mutwill“, der sich in Malmsheimers „Sprachgewittern“ austobt, sondern auch der für Hille ebenso wichtige „tiefwitternde Lebenssinn“, der seine Kabarettprogramme durchzieht: Malmsheimer versteht sich nicht als politischer Kabarettist, wohl aber als hellwacher Humorist im Sinne Peter Hilles, der über den Humor schrieb: „Er rührt und stimmt fröhlich.“ Und bei Malmsheimer lautet das so: „Humor kann ein Freund sein, ein Tröster, ein Begleiter durch die Fährnisse des Alltags.“
Verbunden mit Peter Hille in dieser humoristischen Grundhaltung ist Jochen Malmsheimer der würdige 7. Preisträger des „Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis“







