Überspringen zu Hauptinhalt
Peter-Hille-Gesellschaft e.V.  ·   0160 97935646 · Impressum | Kontakt | Datenschutz

Der Nieheimer Schuhu ist ein regionaler Literaturpreis. Er wird an Personen verliehen, die in Westfalen geboren wurden, in Westfalen leben oder deren Werk einen besonderen Bezug zu Peter Hille und Westfalen aufweist. Der Name des Preises erinnert an Hilles »Lieder des betrunkenen Schuhu«, die er für sein in Berlin gegründetes Kabarett »Zum Peter Hille« dichtete.

Der Schuhu ist der König der Nachtvögel. Ein mythisches, magisches Wesen, vergleichbar dem Uhu und der Eule, deren Nachtvogeldasein untrennbar mit der Literatur zu tun hat. Einen solchen Schuhu erhalten die Preisträger als Bronzeskulptur, geschaffen von dem Künstler Bernd Bergkemper, zusammen mit einem Preisgeld von 5.000 Euro.

Der Preis wird alle drei Jahre durch eine Jury vergeben und ist ein Auszeichnungspreis. Daher sind Eigenbewerbungen nicht möglich.

Das Preisgeld wird von der Stadt Nieheim und der Nyland-Stiftung (Köln) gestiftet. Der nächste Preisträger wird 2019 ausgezeichnet.

Nieheimer Schuhu

5. Preisträger (2019): Bernd Gieseking

Bürgermeister Rainer Vidal, Bernd Gieseking, Dr. Michael Kienecker Ⓒ Josef Köhne (NW)

Der Preisträger des 5. Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis ist der bundesweit bekannte Kabarettist und Buchautor Bernd Gieseking. Am 7. September bekam er den Preis überreicht und krönte den Abend mit Ausschnitten aus seinen Programmen und Lesungen aus seinen wunderbaren Büchern wie z. B. „Finne dich selbst“.

Bernd Gieseking stammt aus dem ostwestfälischen Minden-Kutenhausen, studierte nach einer Lehre als Zimmermann Kunst und evangelische Theologie. Seit 1990 tourt er mit seinen kabarettistischen Soloprogrammen, publiziert Bücher und CDs für Erwachsene und Kinder, arbeitet als Kolumnist für die TAZ Wahrheit und ist Autor von Theaterstücken und Kinderhörspielen. Einem breiten Publikum wurde er durch seine zahlreichen Radioarbeiten bekannt, u. a. der wöchentlichen HR-Kolumne „Klingeling bei Gieseking“. Gefragt ist er als Moderator für den „Deutschen Karikaturenpreis“ in Dresden und Bremen sowie das „Festival der Komik“ in Frankfurt.

Eintrag ins „Hölzerne Buch der Stadt Nieheim“: Bürgermeister Rainer Vidal, Bernd Gieseking Ⓒ Josef Köhne (NW)

Gieseking hat als einer der ersten das kabarettistische Format des „satirischen Jahresrückblicks“ populär gemacht: Seit 1994 präsentiert er diesen Jahresrückblick als eine Mischung aus Chronik und satirischem Kommentar. Soeben ist seine Doppel-CD mit 25 Jahren satirischer Jahresrückblick unter dem Titel „Ab dafür! Deluxe!“ erschienen, und im Herbst veröffentlicht Gieseking mit „Ja, klar, ich bin Schuld“ ein Buch mit seinen Kolumnen. Ansonten tourt er mit seinen Programmen auf Kabarettbühnen und ungewöhnlichen Orten wie Mühlen oder Kirchen und beobachtet seine Zeitgenossen und kommentiert deren buntes Treiben ähnlich wie Peter Hilles auf dem Kirchturm sitzenden „Schuhu“.

Gieseking teilt mit Hille die Vorlieben des Reisens und des Schreibens für Kinder. Er liebt vor allem Finnland, denn, wie er bemerkt hat, ist „der Finne der Ostwestfale Europas“. Doch trotz zahlreicher weiter Reisen kehrt er, wie seinerzeit Hille, immer wieder in die ostwestfälische Heimat zurück. Mittlerweile wohnt er sogar wieder in seiner Geburtsstadt Minden. Das passt zu Hilles Aphorismus: „Heimat ist Heimweh und Sehnen nach allen Weiten.“ Die zweite große Vorliebe sind Geschichten für Kinder. So wie Hille zahlreiche „Kinderskizzen“ schrieb, so hat Gieseking bereits über 10 Kinderhörspiele, zahlreiche Kinderbücher und ein Kinderkonzert verfasst.

Und so urteilte die Jury des „Nieheimer Schuhu“ zusammenfassend:

„Ganz im Sinne des Aphorismus Peter Hilles: ‚Kunst, Kind, innerer Lebenssinn, das gehört zusammen‘ präsentiert Bernd Gieseking in der Komik des Wortes eine lebensnahe, humorvoll-satirische Kunst, belebt die Welt der Kinder mit phantasievollen Erzählungen und hat sich selbst eine – im besten Sinne – naive Kindlichkeit als Neugier, als Staunen-Können und lebhafte Phantasie erhalten. Dabei verbindet er – wie Hille – Heimatliebe mit Weltoffenheit, eine Haltung, die dem tiefen Respekt vor jedem Menschen, seiner Eigenart und Würde, entspringt.“ Presse Gieseking

4. Preisträger (2016): Hans Zippert

In einer öffentlichen Veranstaltung fand am 9. September 2016 die Preisverleihung des 4. Nieheimer Schuhu an Hans Zippert im Sackmuseum in Nieheim statt. Die Laudatio wurde vom letzten Preisträger Wiglaf Droste gehalten. Hans Zippert – Jahrgang 1957 und gebürtig aus Bielefeld – ist, ebenso wie der westfälische Schriftsteller Peter Hille (1854-1904), ein glänzender Essayist und Kolumnist, der die gesellschaftliche, politische und kulturelle Realität satirisch-kritisch unter die Lupe und aufs Korn nimmt.

Hans Zippert, Dr. Michael Kienecker, Erwin Grosche, Rainer Vidal, Wiglaf Droste, Fritz Eckenga

Hans Zippert schreibt eine tägliche Kolumne in der Zeitung Die Welt, aber auch in der Hörzu und vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften. Besonders die Kolumne als literarische Kurzform, in der Zippert ironisch, satirisch, bisweilen sarkastisch die politischen, kulturellen und allgemeinmenschlichen Befindlichkeiten diagnostiziert und kommentiert, verbindet Zippert auf verblüffende Weise mit Peter Hille, aber auch sein besonderer Humor.

In der Preisbegründung der Jury heißt es:

„Besonders die Kolumne als literarische Kurzform, in der Zippert ironisch, satirisch, bisweilen sarkastisch die politischen, kulturellen und allgemeinmenschlichen Befindlichkeiten diagnostiziert und kommentiert, verbindet Zippert auf verblüffende Weise mit dem Namensgeber des Preises: Auch Peter Hille schrieb – etwa unter dem Titel „Enzyklopädie der Kleinigkeiten“ – prägnante, mitunter aphoristisch zugespitzte Kurztexte zu politischen und literarischen Zeiterscheinungen und gehörte zu den Mitbegründern der Berliner Kabarettszene um 1900. Hille’sche und Zippert’sche Texte sind literarisch auffällig wahlverwandt: pointiert, originell, gespeist aus geradezu enzyklopädischem Bildungshintergrund und – bei aller Schärfe – von souveränem Humor.

Für diese sympathische Geisteshaltung erhielt Zippert – gleich zweimal – eine renommierte journalistische Auszeichnung, nämlich den Henri-Nannen-Preis in der Sparte „Humor“: Eine Geistes-, ja Lebenshaltung, die auch Peter Hille stets proklamierte: „Der Humor ist der Modelleur der Welt“ schreibt Hille, und: „Humor ist Hoffnung auf Besserung, er ist das Panier des Ideals.“ Die Jury stellt heraus: „Genau von dieser Art ist der Zippert’sche Humor, der nicht von bärbeißiger Selbstgerechtigkeit oder demonstrativer Besserwisserei strotzt, sondern von verständnisbereitem Wohlwollen unterlegt scheint, das auf das produktive Potenzial der satirischen Entlarvung setzt und immer noch mit der Möglichkeit rechnet, die Welt durch Literatur in bessere Verhältnisse hineinschreiben zu können: Auch in diesem ‚therapeutischen‘ Sinne passt der Schriftsteller Hans Zippert ganz ausgezeichnet zu Peter Hille!“ Presse Zippert

3. Preisträger (2013): Wiglaf Droste

Am 13. September 2013 vergab die Peter-Hille-Gesellschaft zum dritten Mal den Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis: Der Preisträger ist Wiglaf Droste, geboren in Herford. Die Preisverleihung fand im Sackmuseum in Nieheim statt. Die Laudatio hielt Fritz Eckenga.

Erwin Grosche, Wiglaf Droste, Fritz Eckenga

Erwin Grosche, Wiglaf Droste, Fritz Eckenga

Wiglaf Droste wurde 1961 in Herford geboren und ging nach seiner Gymnasialzeit von Westfalen nach Berlin. Nicht nur darin ähnelt er Peter Hille, sondern vor allem in seiner Bevorzugung literarischen Kurzformen: Drostes Kurzgeschichten, Sprachglossen und Gedichte weisen ihn als polemischen Satiriker, sehr genauen Beobachter und wortschöpferischen Sprachartisten aus. Für seine authentisch-polemische, aber ebenso auch sensibel-lyrische Sprache wurde Wiglaf Droste 2005 mit dem Annette von Droste-Hülshoff-Preis ausgezeichnet, und die Süddeutsche Zeitung apostrophierte ihn als „einen der besten deutschen Prosa-Autoren“ und „den Tucholsky unserer Tage“.

Wiglaf Droste ist am 15. Mai 2019 nach längerer Krankheit im Alter von 58 Jahren verstorben.

Die Jury des Nieheimer Schuhu urteilte:

„Wiglaf Droste zeichnet eine höchst produktive Aversion gegen hohles Pathos, angemaßte Wichtigkeit und manierierte Rhetorik aus, die er provokativ-polemisch in seinen satirischen Essays, Gedichten und Songs geißelt. Doch richtet sich seine Polemik nicht vorrangig gegen Personen, bestimmte Parteien oder Institutionen, sondern allgemein gegen die empörende Diskrepanz von geschöntem Gerede und tatsächlichem Verhalten, die Extrovertiertheit der Medien und den Sprachverfall unserer Zeit. Was ihn antreibt, ist die Restitution einer authentischen Wahrhaftigkeit. Droste hält dieser überhitzten, durchökonomisierten und eitlen Zeit seinen satirischen Spiegel vor.

Und so verbinden ihn Freiheit des Geistes und feinste Sprachartistik mit dem Ahnherrn des Preises, Peter Hille.“ Presse Droste

2. Preisträger (2010): Fritz Eckenga

Im September 2010 wurde Fritz Eckenga aus Dortmund mit dem 2. Nieheimer Schuhu ausgezeichnet.

Dr. Michael Kienecker, Fritz Eckenga, Rainer Vidal

Fritz Eckenga, 1955 in Bochum geboren, lebt heute in Dortmund. Sein Werk umfasst mittlerweile 5 verschiedene Solo-Programme, 10 Bücher und 4 CD-Produktionen. Im Hörfunk ist er dauerpräsent, auf WDR 2 mittwochs als „Fußballmanager A“ oder auf WDR 5, wo er Mitteilungen aus Küche und Stadion „streng öffentlich!“ zum Besten gibt.

Und so hat die Jury ihre Wertschätzung Fritz Eckengas zusammengefasst:

„Peter Hille war ein Meister spontaner Sprachkunst und schrieb bevorzugt Aphorismen, Gedichte und Kurzprosa. Auch Fritz Eckenga ist ein Autor, der auf virtuose Weise die „Lyrisierung des Alltags“ betreibt. Zugleich schreibt er messerscharf beobachtete Kurzgeschichten und tagesaktuelle Glossen, die er mit Witz und Ironie meisterhaft pointiert. Seine Bühnenpräsenz knüpft an die besten Traditionen des gehobenen Kabaretts an und bringt allgemein-menschliche und gesellschaftliche Themen humorvoll zur Sprache. Dabei geht es ihm immer um die Sache, er ist bissig, aber nie boshaft, poetisch statt plakativ, ironisch, aber nie verletzend, gelegentlich blödelnd, aber nie oberflächlich. 

Fritz Eckenga ist ein Autor, der die Lebensmelancholie empfindet, sie aber nicht Überhand gewinnen lässt, sondern mit unverwüstlichem Humor und gelegentlichem Rückzug in die Idylle kontert. 

Als bekennender Ruhrgebiets-Westfale betont er offensiv das Lokalkolorit und demonstriert so eindrucksvoll die hohe Literatur- und Sprachfähigkeit der westfälischen Region.“ Presse Eckenga

1. Preisträger (2007): Erwin Grosche

Die Peter-Hille-Gesellschaft hat im Jahr 2007 erstmalig den Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis vergeben. Der erste Preisträger ist der Schriftsteller, Kleinkünstler und Kabarettist Erwin Grosche aus Paderborn.

Erwin Grosche ist von Dortmund bis Höxter, Meschede bis Bielefeld, aber seit vielen Jahren auch längst bundesweit auf Bühnen, im Hörfunk und im Fernsehen höchst präsent: Sein Werk umfasst mittlerweile fast 20 verschiedene Kleinkunst-Programme seit 1979, weit über 50 Bücher, 40 Langspiel- und CD-Produktionen, Mitwirkung bei 35 Film- und Fernsehproduktionen, darüber hinaus zwei eigene Filme. Und an Preisen mangelt es wahrhaftig nicht: Er wurde bereits mit 13 Preisen ausgezeichnet, darunter so renommierte wie der Deutsche Kleinkunstpreis, der Prix Pantheon und der Paderborner Kulturpreis für das Gesamtwerk.

Die Jury des Nieheimer Schuhu urteilte:

„Peter Hille war ein Meister spontaner Sprachkunst und schrieb bevorzugt Aphorismen, Gedichte und Kurzprosa. Auch der Grenzgänger Erwin Grosche ist ein ungewöhnlicher „Wortkünstler“. Als Autor hat er ein umfangreiches Werk vorgelegt, das nahezu alle Sparten der Literatur umfasst, vom Roman über Erzählungen, Krimis, Glossen, Lyrik, Songs und Chansons bis hin zum Kindergebet. Dieses Werk zeichnet sich durch eine eigene, unverwechselbare Sprache aus. Grosche ist ein Mann der Zwischentöne. Entsprechend geht es in seinen Texten phantasievoll statt polemisch, poetisch statt plakativ zu. Als literarischer Kleinkünstler und Kabarettist, der sich ausdrücklich zu seiner westfälischen Herkunft bekennt, kultiviert er einen anderen, oft skurril-hintergründigen Blick auf die Wirklichkeit.“ Presse Grosche

An den Anfang scrollen