Der Nieheimer Schuhu ist ein regionaler Literaturpreis. Er wird an Personen verliehen, die in Westfalen geboren wurden, in Westfalen leben oder deren Werk einen besonderen Bezug zu Peter Hille und Westfalen aufweist. Der Name des Preises erinnert an Hilles Lieder des betrunkenen Schuhu, die er für sein in Berlin gegründetes Kabarett zum Peter Hille dichtete.

Der Schuhu ist der König der Nachtvögel. Ein mythisches, magisches Wesen, vergleichbar dem Uhu und der Eule, deren Nachtvogeldasein untrennbar mit der Literatur zu tun hat. Einen solchen Schuhu erhalten die Preisträger als Bronzeskulptur, geschaffen von dem Künstler Bernd Bergkemper, zusammen mit einem Preisgeld von 5.000 Euro.

Der Preis wird alle drei Jahre durch eine Jury vergeben und ist ein Auszeichnungspreis. Daher sind Eigenbewerbungen nicht möglich.

Das Preisgeld wird von der Stadt Nieheim und der Nyland-Stiftung (Köln) gestiftet. Der nächste Preisträger wird 2019 ausgezeichnet.

Nieheimer Schuhu

4. Preisträger (2016): Hans Zippert

In einer öffentlichen Veranstaltung fand am 9. September 2016 die Preisverleihung des 4. Nieheimer Schuhu an Hans Zippert im Sackmuseum in Nieheim statt. Die Laudatio wurde vom letzten Preisträger Wiglaf Droste gehalten. Hans Zippert – Jahrgang 1957 und gebürtig aus Bielefeld – ist, ebenso wie der westfälische Schriftsteller Peter Hille (1854-1904), ein glänzender Essayist und Kolumnist, der die gesellschaftliche, politische und kulturelle Realität satirisch-kritisch unter die Lupe und aufs Korn nimmt.

In der Preisbegründung der Jury heißt es:

„Besonders die Kolumne als literarische Kurzform, in der Zippert ironisch, satirisch, bisweilen sarkastisch die politischen, kulturellen und allgemeinmenschlichen Befindlichkeiten diagnostiziert und kommentiert, verbindet Zippert auf verblüffende Weise mit dem Namensgeber des Preises: Auch Peter Hille schrieb – etwa unter dem Titel „Enzyklopädie der Kleinigkeiten“ – prägnante, mitunter aphoristisch zugespitzte Kurztexte zu politischen und literarischen Zeiterscheinungen und gehörte zu den Mitbegründern der Berliner Kabarettszene um 1900. Hille’sche und Zippert’sche Texte sind literarisch auffällig wahlverwandt: pointiert, originell, gespeist aus geradezu enzyklopädischem Bildungshintergrund und – bei aller Schärfe – von souveränem Humor.

Für diese sympathische Geisteshaltung erhielt Zippert – gleich zweimal – eine renommierte journalistische Auszeichnung, nämlich den Henri-Nannen-Preis in der Sparte „Humor“: Eine Geistes-, ja Lebenshaltung, die auch Peter Hille stets proklamierte: „Der Humor ist der Modelleur der Welt“ schreibt Hille, und: „Humor ist Hoffnung auf Besserung, er ist das Panier des Ideals.“ Die Jury stellt heraus: „Genau von dieser Art ist der Zippert’sche Humor, der nicht von bärbeißiger Selbstgerechtigkeit oder demonstrativer Besserwisserei strotzt, sondern von verständnisbereitem Wohlwollen unterlegt scheint, das auf das produktive Potenzial der satirischen Entlarvung setzt und immer noch mit der Möglichkeit rechnet, die Welt durch Literatur in bessere Verhältnisse hineinschreiben zu können: Auch in diesem ‚therapeutischen‘ Sinne passt der Schriftsteller Hans Zippert ganz ausgezeichnet zu Peter Hille!“ Presse Zippert

3. Preisträger (2013): Wiglaf Droste

Am 13. September 2013 vergab die Peter-Hille-Gesellschaft zum dritten Mal den Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis: Der Preisträger ist Wiglaf Droste, geboren in Herford. Die Preisverleihung fand im Sackmuseum in Nieheim statt. Die Laudatio hielt Fritz Eckenga.

Die Jury des Nieheimer Schuhu urteilte:

„Wiglaf Droste zeichnet eine höchst produktive Aversion gegen hohles Pathos, angemaßte Wichtigkeit und manierierte Rhetorik aus, die er provokativ-polemisch in seinen satirischen Essays, Gedichten und Songs geißelt. Doch richtet sich seine Polemik nicht vorrangig gegen Personen, bestimmte Parteien oder Institutionen, sondern allgemein gegen die empörende Diskrepanz von geschöntem Gerede und tatsächlichem Verhalten, die Extrovertiertheit der Medien und den Sprachverfall unserer Zeit. Was ihn antreibt, ist die Restitution einer authentischen Wahrhaftigkeit. Droste hält dieser überhitzten, durchökonomisierten und eitlen Zeit seinen satirischen Spiegel vor.

Und so verbinden ihn Freiheit des Geistes und feinste Sprachartistik mit dem Ahnherrn des Preises, Peter Hille.“ Presse Droste

2. Preisträger (2010): Fritz Eckenga

Im September 2010 wurde Fritz Eckenga aus Dortmund mit dem 2. Nieheimer Schuhu ausgezeichnet.

Fritz Eckenga, 1955 in Bochum geboren, lebt heute in Dortmund. Sein Werk umfasst mittlerweile 5 verschiedene Solo-Programme, 10 Bücher und 4 CD-Produktionen. Im Hörfunk ist er dauerpräsent, auf WDR 2 mittwochs als „Fußballmanager A“ oder auf WDR 5, wo er Mitteilungen aus Küche und Stadion „streng öffentlich!“ zum Besten gibt.

Und so hat die Jury ihre Wertschätzung Fritz Eckengas zusammengefasst:

„Peter Hille war ein Meister spontaner Sprachkunst und schrieb bevorzugt Aphorismen, Gedichte und Kurzprosa. Auch Fritz Eckenga ist ein Autor, der auf virtuose Weise die „Lyrisierung des Alltags“ betreibt. Zugleich schreibt er messerscharf beobachtete Kurzgeschichten und tagesaktuelle Glossen, die er mit Witz und Ironie meisterhaft pointiert. Seine Bühnenpräsenz knüpft an die besten Traditionen des gehobenen Kabaretts an und bringt allgemein-menschliche und gesellschaftliche Themen humorvoll zur Sprache. Dabei geht es ihm immer um die Sache, er ist bissig, aber nie boshaft, poetisch statt plakativ, ironisch, aber nie verletzend, gelegentlich blödelnd, aber nie oberflächlich. 

Fritz Eckenga ist ein Autor, der die Lebensmelancholie empfindet, sie aber nicht Überhand gewinnen lässt, sondern mit unverwüstlichem Humor und gelegentlichem Rückzug in die Idylle kontert. 

Als bekennender Ruhrgebiets-Westfale betont er offensiv das Lokalkolorit und demonstriert so eindrucksvoll die hohe Literatur- und Sprachfähigkeit der westfälischen Region.“ Presse Eckenga

1. Preisträger (2007): Erwin Grosche

Die Peter-Hille-Gesellschaft hat im Jahr 2007 erstmalig den Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis vergeben. Der erste Preisträger ist der Schriftsteller, Kleinkünstler und Kabarettist Erwin Grosche aus Paderborn.

Erwin Grosche ist von Dortmund bis Höxter, Meschede bis Bielefeld, aber seit vielen Jahren auch längst bundesweit auf Bühnen, im Hörfunk und im Fernsehen höchst präsent: Sein Werk umfasst mittlerweile fast 20 verschiedene Kleinkunst-Programme seit 1979, weit über 50 Bücher, 40 Langspiel- und CD-Produktionen, Mitwirkung bei 35 Film- und Fernsehproduktionen, darüber hinaus zwei eigene Filme. Und an Preisen mangelt es wahrhaftig nicht: Er wurde bereits mit 13 Preisen ausgezeichnet, darunter so renommierte wie der Deutsche Kleinkunstpreis, der Prix Pantheon und der Paderborner Kulturpreis für das Gesamtwerk.

Die Jury des Nieheimer Schuhu urteilte:

„Peter Hille war ein Meister spontaner Sprachkunst und schrieb bevorzugt Aphorismen, Gedichte und Kurzprosa. Auch der Grenzgänger Erwin Grosche ist ein ungewöhnlicher „Wortkünstler“. Als Autor hat er ein umfangreiches Werk vorgelegt, das nahezu alle Sparten der Literatur umfasst, vom Roman über Erzählungen, Krimis, Glossen, Lyrik, Songs und Chansons bis hin zum Kindergebet. Dieses Werk zeichnet sich durch eine eigene, unverwechselbare Sprache aus. Grosche ist ein Mann der Zwischentöne. Entsprechend geht es in seinen Texten phantasievoll statt polemisch, poetisch statt plakativ zu. Als literarischer Kleinkünstler und Kabarettist, der sich ausdrücklich zu seiner westfälischen Herkunft bekennt, kultiviert er einen anderen, oft skurril-hintergründigen Blick auf die Wirklichkeit.“ Presse Grosche